Der Schweizer Atomaus­stieg auf Raten

 

Wie ist es eigentlich um die Kernkraft in der Schweiz bestellt? Wir haben mal nachgeschaut.

Die Schweiz betreibt derzeit insgesamt noch 4 Kernkraft­werke. Ein weiteres Kernkraftwerk wurde 2019 still­gelegt (Kernkraftwerk Mühleberg). Der Beitrag der Kernenergie im Schweizer Gesamt­strommix beträgt ca. 35 %. Die Kernkraft­werke gehören zu 82 % dem der öffent­lichen Hand, denn die Schweizer Kantone halten entspre­chende Anteile.

In der Schweiz sind Volks­ab­stim­mungen als demokra­ti­sches Element sehr populär und so gab es seit 1957 und 2016 insgesamt 9 Volks­ab­stim­mungen über das Thema Atomkraft. Die letzte Abstimmung hierzu erfolgte am 21. Mai 2017 über die Schweizer „Energie­stra­tegie 2050“, die mit 58,2 % Ja-Stimmen angenommen wurde.

Die „Energie­stra­tegie 2050“ beinhaltet ein Verbot des Bau von neuen Atomkraft­werken. Da die bestehenden AKW nicht unbegrenzt weiter­be­trieben werden können, bedeutet dies einen Atomaus­stieg auf Raten. Aller­dings gibt es für die vier bestehenden Atomkraft­werke keine gesetz­liche Laufzeit­be­schränkung wie etwa in Deutschland. Sie dürfen rechtlich weiter betrieben werden, solange die gesetz­lichen Sicher­heits­an­for­de­rungen erfüllt sind. Dabei ist das älteste Schweizer Kernkraftwerk Beznau 1 schon bereits seit 53 Jahren im Betrieb. Schweizer Atomkraft­werke zählen damit zu den ältesten der Welt. Kritiker melden deswegen immer wieder Sicher­heits­be­denken an.

(Christian Dümke)

2022-05-31T19:20:04+02:0031. Mai 2022|Energiewende weltweit|

Blick nach UK: Die Energie­preise ab 1. April 2022

Nicht nur in Deutschland steigen die Energie­preise. Auch in Großbri­tannien müssen sich Verbrau­che­rinnen und Verbraucher auf einen erheb­lichen Anstieg der Energie­kosten einstellen. Denn ab heute, dem 01.04.2022, wird die Höchst­grenze für Energie­preise, der sog. Energy Price Cap, um 54 Prozent angehoben.

Was viele nicht wissen: Während in Deutschland die Energie­preise dem Markt überlassen und nur kartell­rechtlich überwacht werden, gibt es in Großbri­tannien eine Preis­de­ckelung durch die staat­liche Aufsichts­be­hörde OFGEM (Office of Gas and Electricity Markets), die der Gas and Electricity Markets Authority (GEMA), unter­steht. Im sechs­mo­na­tigen Turnus werden die Höchst­preise angepasst. Diese Stuktur von Markt­preisen nur unterhalb einer staat­lichen Deckelung stammt aus der Libera­li­sierung des engli­schen und walisi­schen Strom­marktes nach dem Electricity Act nach 1989. Seit 1990 gibt es in UK zwar eine vollständige Markt­öffnung. Doch vollständig vertrauten die Briten dem freien Spiel der Kräfte dann doch nicht.

Big Ben, Brücke, Stadt, Sonnenaufgang, Fluss

Die OFGEM schützt den Verbraucher seitdem nicht nur durch Preis­be­schrän­kungen, sondern vergibt auch Lizenzen für Unter­nehmen, die sich am Strom­markt betei­ligen möchten. Die Lizen­sierung beinhaltet u. a. die Deckelung der Gewinn­marge. Das Ziel der OFGEM ist es, durch Strom­markt­re­gu­lierung einer­seits den Wettbewerb zu fördern, aber anderer­seits so wenig wie möglich in den Markt einzugreifen.

Für den Durch­schnitts­kunden beträgt der Strom­preis seit heute 28 p/kWh (statt 21) und 45 p (statt 25) Grund­gebühr pro Tag, also nun umgerechnet ein ungefährer kWh-Preis von 33 Cent/kWh und rund 16 EUR Grund­preis pro Monat. Gas ist sogar noch teurer geworden, hier ist der Preis von 4 p/kWh auf 7 p/kWh gestiegen, also rund 8 Cent/kWh. Das ist zwar immer noch günstiger als die Grund­ver­sorgung für Neukunden in Berlin. Doch der Blick nach Großbri­tannien verdeut­licht: Die explo­si­ons­artige Preis­ent­wicklung ist kein deutsches Phänomen und sie findet auch unter völlig anderen Rahmen­be­din­gungen statt (Luisa Sobirey/Dr. Miriam Vollmer).

 

2022-04-01T23:09:38+02:001. April 2022|Energiewende weltweit|

Energie­wende weltweit – Portugal ist aus der Kohle ausgestiegen

Deutschland ist nicht das einzige Land, dass eine Energie­wende betreibt. Wir schauen in unserer Serie „Energie­wende weltweit“ dazu über den Tellerrand – diesmal nach Portugal.

Portugal hat mit seinen gut 10 Mio Einwohnern bereits geschafft, worum in Deutschland noch zäh gerungen wird: Portugal ist am 20. November 2021 aus der Kohle­ver­stromung ausge­stiegen und zudem auch frei von Atomkraft­werken. Der ursprünglich für 2030 geplante Kohle­aus­stieg wurde mit der Abschaltung des letzten Kohle­kraft­werks Pego bereits 8 Jahre früher vollzogen.

Portugal ist damit ein Energie­wen­de­vor­reiter, wenn auch nicht das erste Land, dass kohlefrei ist, denn das haben inzwi­schen bereits auch Belgien, Öster­reich, Luxemburg und Schweden, das Baltikum, Malta sowie Zypern geschafft.

Abgesehen von Norwegen produ­ziert  kein Land so viel Strom aus Erneu­er­baren Energien wie Portugal. Haupt­er­zeu­gungs­quellen sind Wasser­kraft und Windkraft. In die Nutzung der Kernenergie ist Portugal aufgrund von starkem Wider­stand der Bevöl­kerung trotz mehrfacher Anläufe nie eingestiegen.

Wir sind beeindruckt!

(Christian Dümke)

 

2021-11-25T22:20:22+01:0025. November 2021|Energiewende weltweit|