Verglichen mit den 1960er und 1970er Jahren ist deutsche Umwelt­po­litik in weiten Teilen ehrlich gesagt jammern auf hohem Niveau. Zumindest was lokale Verschmut­zungen von Wasser, Boden und Luft angeht, hat sich in den Indus­trie­ländern in den letzten Jahrzehnten enorm viel verbessert. Selbst die viel gescholtene Automo­bil­in­dustrie hat es geschafft, die Emissionen von Kraft­fahr­zeugen mit Verbren­nungs­mo­toren drastisch zu reduzieren. Auch wenn Diesel-Pkw die ambitio­nierten Grenz­werte der EU zur Zeit immer wieder reißen.

Was aber tatsächlich im globalen Maßstab besorg­nis­er­regend ist, das sind vor allem zwei Bereiche: menschen­ge­machter Klima­wandel und Rückgang der Biodi­ver­sität. Gerade was das zweite Thema angeht, herrscht größten­teils Ratlo­sigkeit. In vielen Fällen, so wie beim Insek­ten­sterben, sind sich die Fachleute noch nicht einmal über die Ursachen im Klaren. Es gibt zwar ein globales Abkommen, die Konvention zum Schutz der biolo­gi­schen Vielfalt (CBD). So richtig ins allge­meine Bewusstsein gedrungen ist sie außerhalb von Exper­ten­zirkeln nicht. Ihre Möglich­keiten zum Schutz der globalen Natur sind auch eher begrenzt.

Insofern ist es nicht verwun­derlich, dass weltweit Bedarf besteht, sich über das Thema auszu­tau­schen, Bilanz zu ziehen und Strategien zu entwi­ckeln. Dieser Tage treffen sich deswegen in Paris im Weltbio­di­ver­si­tätsrat Experten aus Wissen­schaft und Politik aus mehr als 50 Ländern. Sie sollen sich auf einen Bericht zum Zustand der Natur einigen, genauer gesagt auf die Kurzfassung des Berichts für Entschei­dungs­träger. Vorge­stellt werden soll er schon am 6. Mai.

Die Bundes­um­welt­mi­nis­terin setzt große Hoffnungen darauf, dass dem Bericht auch Taten folgen werden. Immerhin war es auch bei dem anderen umwelt­po­li­ti­schen Großthema der Zeit so, dass eine Einigung auf einen geteilten Sachstand der Ausgangs­punkt für Lösungen wurde: So gelten die Berichte des Weltkli­ma­rates als entschei­dender Anstoß für das Pariser Klima­schutz­ab­kommen.