Herzlich willkommen. Sie studieren Jura in Bielefeld und sind inzwi­schen im 6. oder 7. Semester. Sie inter­es­sieren sich für meine Veran­staltung „Einführung in das Energie­recht“.

Ich gebe diese Veran­staltung zum zweiten Mal. Im letzten Semester habe ich Ihren Vorgängern umfang­reiche Materialien vorbe­reitet und sehr, sehr viele Normen genannt. Das mache ich dieses Mal anders. Denn auch im Winter­se­mester habe ich am Ende nur einen Bruchteil der vielen hundert Regelungen behandelt, aus denen sich das Energie­recht zusam­men­setzt. Ich habe nämlich schnell bemerkt, dass Sie schon viel über Normen wissen, aber kaum etwas über den Regelungs­ge­gen­stand.

Ich werde also auch in diesem Semester in jeder Doppel­stunde erst über Energie sprechen. Wie sie erzeugt wird. Wie man sie trans­por­tiert. Wer sie wie und wann verbraucht. Wer handelt mit diesem Gut? Wer sind die Behörden? Wo kommen die Akteure her? In der zweiten Stunde erst werde ich dann den regula­to­ri­schen Rahmen vorstellen.

Sie werden bemerken, dass die Veran­staltung jetzt nur noch zwei und nicht mehr vier Stunden dauert. Das liegt daran, dass ich mit Ihnen zwei Exkur­sionen plane. Ich möchte, dass Sie einmal sehen, wie Energie erzeugt und verteilt wird. Ich hoffe, Sie finden das so spannend wie ich.

Die Energie­wirt­schaft galt in den letzten Jahrzehnten als ein bisschen old fashioned. Als Teil einer Welt, in der schmutzige Menschen Kohle schaufeln. Erst als vor einigen Monaten durch die Presse ging, dass das Schürfen von Bitcoins mehr Strom frisst als die Herstellung von Papier oder die Behandlung von Metallen wurde vielen klar, dass auch die neue Welt viel, viel Strom frisst. Server laufen schließlich nicht von selbst. Die Heraus­for­de­rungen des Klima­wandels und der abseh­baren Ressour­cen­knappheit sind ein weiterer Treiber der Energie­wende, die zu immer neuen Überar­bei­tungen des Energie­rechts führen. Ich übertreibe nicht, wenn ich Ihnen versi­chere: Es gibt derzeit nichts Spannen­deres als bei diesem Trans­for­ma­ti­ons­prozess dabei­zusein.

Ansonsten erzähle ich viel aus 12 Jahren Praxis. Ich habe in nahezu jedem Bundesland Projekte betreut und/oder prozes­siert. Ich habe mir schon in Tagebauten die Schuhe verdorben und mich im Bundes­ver­wal­tungs­ge­richt erkältet. Ich weiß, wie es in Müllheiz­kraft­werken riecht und kann Dutzende Gerichts­kan­tinen an ihrer Bratwurst  unter­scheiden. Ich hoffe, ich kann Ihnen etwas von den Freuden und Mühen der Praxis vermitteln und ich freue mich auf Sie. Bis zum 25. April!

Und wenn Sie Fragen haben: Mailen Sie mir gern: vollmer@recht-energisch.de