Erfolgreicher Eilantrag gegen Rückbau von Radfahrstreifen
Vor einiger Zeit war es durch die Presse gegangen: Nach der Sperrung der Nordbrücke hat die Stadt Bonn die Verkehrsführung auf der Oxfordstraße zugunsten des Kfz-Verkehrs geändert – auf Kosten von Radfahrstreifen und einer Busspur. Für viele Menschen, die mit dem Rad zur Arbeit fahren oder ihre Kinder zu Schule und Kita begleiten, war das ein großer Rückschritt.
Das Verwaltungsgericht Köln hat nun auf Antrag von sechs Radfahrenden im Eilbeschluss die aufschiebende Wirkung ihrer Klagen angeordnet und der Stadt aufgegeben, die aufgestellten Verkehrszeichen und aufgebrachten Markierungen zu entfernen bzw. unwirksam zu machen. Der Beschluss ergeht im Eilverfahren und ist nicht rechtskräftig. Wir vertreten die Antragsteller, die Bundesstadt Bonn ist in diesem Verfahren ebenfalls anwaltlich vertreten.
Die Entscheidung ist juristisch folgerichtig: Beschränkungen des fließenden Verkehrs – auch des Radverkehrs – setzen nach § 45 Abs. 9 Satz 3 StVO eine Gefahrenlage voraus, die auf besonderen örtlichen Verhältnissen beruht und das allgemeine Risiko erheblich übersteigt. Die Straßenverkehrsbehörde muss diese Lage darlegen und mit Tatsachen dokumentieren. Nicht näher belegte Staus und eine gesperrte Brücke genügen dafür nicht von selbst. Die Stadt hatte ihre Anordnung auf die veränderte Lage nach der Sperrung gestützt, und dieser Begründung genügten einzelne Zählungen und allgemeine Beobachtungen nach Auffassung der Kammer nicht. Sie hatte auch nicht dargelegt, welches Leistungsvermögen die Straße hat und dass es überschritten ist.
Über Bonn hinaus sind drei Punkte besonders bemerkenswert, die zum Beispiel auch für die Berliner Kantstraße relevant sein könnten, wo ebenfalls ein Radfahrstreifen rückgebaut werden soll.
- Erstens prüft die Kammer eine solche Anordnung als Gesamtkonzept und nicht mit Blick auf einzelne Elemente. Eine Behörde kann sich deshalb nicht darauf berufen, einzelne Teile für sich genommen zu rechtfertigen.
- Zweitens müssen Kommunen, die auf Brückensperrungen oder vergleichbare Anlässe reagieren, die von ihnen behauptete außergewöhnliche Verkehrslage mit Tatsachen belegen.
- Drittens setzt die Aufhebung einer früheren Anordnung voraus, dass die Gefahrenlage entfallen ist, die sie begründet hat. Radverkehrsanlagen lassen sich also nicht ohne Weiteres wieder herausnehmen, wenn sich die Verkehrslage ändert. Und selbst ein gestiegenes Verkehrsaufkommen genügt nicht, solange nicht dargelegt ist, dass es das Leistungsvermögen der Straße übersteigt.
Insgesamt erscheint es begrüßenswert, dass Einschränkungen und Verbote des Radverkehrs inzwischen ähnlich strengen Maßstäben genügen müssen, wie sie beim Kraftfahrzeugverkehr schon lange angelegt werden. (Olaf Dilling)
