Fracking in Deutschland: Gefahr oder Chance?

Das Fracking ist tot, oder? Brauchen wir die natio­nalen Frack-Reserven, um auch von Gasim­porten unabhän­giger zu werden? Die Grünen-Fraktion im Bundestag übt harsche Kritik am Vorstoß eines Berater­gre­miums von Bundes­wirt­schafts­mi­nis­terin Katherina Reiche, Gasför­derung per Fracking ernsthaft zu erwägen. Der Vorschlag sei „extrem unver­ant­wortlich für Mensch, Umwelt und Klima“, sagt Frakti­onsvize Julia Verlinden. „Solche Vorschläge führen uns immer tiefer in den Sumpf aus Lobby­in­ter­essen, Klima­schäden und teurer fossiler Energie.“

Aber was steckt eigentlich hinter dem Begriff Fracking? Beim Hydraulic Fracturing – kurz Fracking – wird mit hohem Druck eine Mischung aus Wasser, Sand und Chemi­kalien in tief liegende Gesteins­schichten gepresst, um darin einge­schlos­senes Erdgas zu lösen und zu fördern. Die Methode gilt als umstritten, da sie nicht nur die Förderung von fossilen Brenn­stoffen verlängert, sondern auch erheb­liche Risiken für Umwelt und Gesundheit birgt. Dies gilt besonders für das Aufsuchen und die Gewinnung von nicht konven­tio­nellen Erdgas­vor­kommen – deshalb ist es hier auch seit 2017 verboten. Anderer­seits gibt es auch Befür­worter, die ein enormes Potential zur Energie­ver­sorgung Deutsch­lands durch heimi­sches Schie­fergas sehen (siehe auch hier). Auch zu der Frage, wie groß das Risiko für Mensch und Umwelt tatsächlich ist, gibt es sehr wider­strei­tende Ansichten. Zudem kostet es auch viel Energie, LNG nach Deutschland zu bringen. „Weg vom Gas“, könnte man da sagen – wenn es denn doch so einfach wäre. Klar ist nur, der Diskurs ist ziemlich vergiftet.

Derzeit wird in Deutschland kaum Gas gefördert. Durch Fracking könnte sich das ändern. Ein aktuelles Papier des „Wissen­schaft­lichen Berater­kreises Wirtschafts­po­litik“ beim Wirtschafts­mi­nis­terium rät dazu, die Möglich­keiten für Fracking angesichts des Iran-Kriegs ernsthaft zu prüfen. Hierfür wurde ein Kurzgut­achten vorgelegt. Ist das eine Kehrt­wende im deutschen Energiemarkt?

Bereits zu der Frage, wie groß denn die hiesigen Gasre­serven sind, gibt es wider­sprüch­liche Zahlen. Es müsste wohl umfassend sondiert werden und bereits das würde viel kosten. Die weiteren Inves­ti­ti­ons­kosten kommen dann noch on top. Eben mal schnell ein wenig fracken – so leicht kann es sich Frau Reiche dann halt doch nicht machen. Es würde trotzdem wohl Jahre dauern, bis das erste Gas fließt – und dann auch nicht zum Schnäpp­chen­preis. Reicht das dann aus? Zudem dürfte der Wider­stand gegen diese Technik letztlich so stark verfestigt sein, dass es jedes Projekt schwer haben dürfte – wobei man ja auch an Heraus­for­de­rungen wächst. Diese Sorgen begleiten auch dieje­nigen, die beim Thema Dekar­bo­ni­sierung auch auf CCS setzen, wobei der Wider­stand bei Fracking tatsächlich wohl noch größer sein dürfte.

Die Debatte zeigt: An der politi­schen Streit­frage Fracking wird nun wieder disku­tiert, wie Deutschland seinen Weg in eine nachhaltige Zukunft beschreiten will. Chance oder Idee von gestern (siehe auch hier)? Die Positionen könnten kaum gegen­sätz­licher sein. (Dirk Buchsteiner)