Studie zu Gefahren durch Infra­schall aus Windkraft­an­lagen fehlerhaft – Viel Lärm um nichts

Winkraft­an­lagen erfreuen sich in Deutschland nicht immer allsei­tiger Beliebtheit. Insbe­sondere Anwohner fürchten oft Beein­träch­ti­gungen durch sogenanntem „Infra­schal“.
Als Infra­schall gelten Schall­wellen, deren Frequenz unterhalb der mensch­lichen des mensch­lichen Hörver­mögens, bei ungefähr 16 Hz liegt.

Vor 15 Jahren, im Jahr 2005 erschien eine Studie der Bundes­an­stalt für Geowis­sen­schaften und Rohstoffe (BGR), in der die Angst vor schäd­lichem Infra­schall scheinbar offiziell wissen­schaftlich bestätigt wurde. Die Studie trug den unheil­vollen Namen „Der unhörbare Lärm von Windkraft­an­lagen“ und wurde seither von Windkraft­gegnern gerne als Beleg für eine angeb­liche Schäd­lichkeit der Windkraft angeführt.

Davon ist inzwi­schen jedoch nicht mehr viel übrig, denn wie vor kurzem bekannt wurde sind die Werte der Studie ungefähr um den Faktor 1000 fehlerhaft überhöht.

Zweifel an der Richtigkeit der Studie hatte es schon länger gegeben. In der Praxis ist sie aber jahrelang häufig zur Begründung von Einwänden gegen Windkraft­pro­jekte und bei der Bemessung einzu­hal­tender Abstands­flächen abgeführt worden. Eine Unter­su­chung der Kritik­punkte an der Studie ist längere Zeit von behörd­licher Seite abgelehnt worden. Tatsächlich ist jedoch der Infra­schall-Pegel in einem fahrenden Auto um den Faktor 1000 höher als im Nahbe­reich einer Windenergieanlage.

Bemer­kenswert ist, dass Aufgabe der BGR eigentlich nicht die Windkraft sondern die Überwa­chung des Kernwaf­fen­test­stopp-Vertrages ist, sie zu diesem Zweck eine seismische Messanlage im Bayeri­schen Wald betreibt und lediglich sicher­er­stellen wollte, dass die Messergeb­nisse nicht von anderen Infra­schall­quellen verfälscht werden. Ob Infra­schall­wellen von Windkraft­an­lagen überhaupt gesund­heit­liche Auswir­kungen haben, hat die BGR nie untersucht.

(Christian Dümke)

2021-05-06T18:33:17+02:006. Mai 2021|Erneuerbare Energien, Windkraft|

Energie­wende weltweit – Wie grün ist Costa Rica ?

Mit der Energie­wende beschäf­tigen wir uns nicht ausschließlich in Deutschland. In unserer Reihe „Energie­wende weltweit“ wollen wir über den Tellerrand schauen und die Fortschritte anderer Staaten unter die Lupe nehmen. Heute geht es dafür nach Costa Rica.

Costa Rica ist ein kleines Land in Zentral­amerika, kaum größer als die Schweiz. Strände, Vulkane, Regenwald und die exotischsten Tiere: in den zahlreichen Natio­nal­parks und Natur­schutz­ge­bieten des Landes sind etwa 5 % der Flora und Fauna dieser Welt behei­matet. Aber auch Costa Rica zählt, ebenso wie Indien, zu den Ländern, die am stärksten von den Auswir­kungen des Klima­wandels betroffen sind.

Umso wichtiger erscheinen die bishe­rigen Fortschritte in der Klima­po­litik des Landes. Denn die wirklich gute Nachricht ist: Costa Rica deckt seinen Strom­bedarf bereits zu 99,6 % aus erneu­er­baren Energien. Davon stammen jedoch etwa 78 % einzig und allein aus der Wasser­kraft. Damit liegt der Fokus sehr stark auf nur einer Energie­quelle, welche einer­seits aus ökolo­gi­scher Sicht nicht ganz unumstritten ist, denn für den Bau neuer Staudämme müssen tausende Hektar Land überflutet und teils ganze Dörfer umgesiedelt werden. Anderer­seits ist es nicht unwahr­scheinlich, dass der Klima­wandel auch zu gerin­geren Wasser­res­sourcen führen und damit die Strom­pro­duktion vor einige Probleme stellen wird. Daher sollen in Costa Rica in Zukunft Solar- und Windenergie weiter ausgebaut und auch die Kraft des Meeres genutzt werden, um den durch zuneh­menden Wohlstand steigenden Energie­bedarf des Landes zu decken.

Trotz der nahezu perfekten Strom­erzeugung ist Costa Rica klima­schutz­tech­nisch noch nicht am Ziel. Probleme auf dem Weg zur Klima­neu­tra­lität bereitet vor allem der Verkehrs­sektor. Die Zahl der Autos wächst weltweit und mit steigendem Wohlstand des Landes auch in Costa Rica. Inzwi­schen verfügt fast jeder 5. Einwohner des Landes über ein Auto. Die Folge ist ein wachsender Bedarf an fossilen Rohstoffen und folglich auch ein steigender Ausstoß an CO2-Emmis­sionen. Ziel der Regierung ist es deshalb den Verkehr zu elektri­fi­zieren – kein einfaches Vorhaben, wenn man bedenkt, dass es im Jahr 2018 gerade einmal 300 Elektro-Autos gab. Erreicht werden soll das Ziel einer­seits mittels Steuer­an­reizen und weiteren Vergüns­ti­gungen für den Erwerb von Elektro-Autos. So sollen bis 2035 bereits ein Viertel der Fahrzeuge elektrisch betrieben werden, bei Bussen und Taxis werden sogar 70 % angestrebt. Anderer­seits soll aber auch durch den Ausbau des nicht-motori­sierten Verkehrs sowie des öffent­lichen Verkehrs „die Nutzung eines Privat­wagens weniger attraktiv“ werden. So plant die Regierung elektrisch betriebene Bahnstrecken im Großraum von San José auszu­bauen, die den Verkehr in der Haupt­stadt um die Hälfte reduzieren sollen.

Die Umstellung auf Elektro­mo­bi­lität hat jedoch auch eine „grüne Steuer­reform“ zur Folge, wie das Land ankündigt. Denn Costa Rica führte als erstes Land der Welt eine Ökosteuer auf Benzin ein, welche aktuell 12 % der öffent­lichen Einnahmen des Staates ausmacht und dann als Einnah­me­quelle wegfallen würde. Wodurch die Einnahmen ersetzt werden sollen, ist bisher jedoch noch ungeklärt. Dennoch stellt die angestrebte Umstellung auf Elektro­mo­bi­lität einen wichtigen und richtigen Schritt auf dem Weg zur Klima­neu­tra­lität dar, die Costa Rica bis spätestens 2050 erreicht haben will.

Dass Costa Rica heute für viele Staaten ein Vorreiter in Sachen Klima­schutz, Nachhal­tigkeit und Arterhaltung ist, war nicht immer so: 1987 war die Abholzung im Land so weit fortge­schritten, dass nur noch 21% der gesamten Fläche mit Wald bedeckt waren. Viehwirt­schaft und Ackerbau, gepaart mit Profitgier, hätten die Arten­vielfalt des Landes beinahe zerstört. Die Regierung erkannte dies jedoch noch recht­zeitig und nutzte eine Krise in der Rinder­zucht und bezahlte Bauern dafür, dass diese Teile ihrer Weide­fläche auffors­teten, sodass heute etwa 54 % des Landes­fläche wieder bewaldet sind. Bis 2030 soll die Waldfläche auf 60 % weiter anwachsen.

Costa Rica erreicht damit den ersten Platz auf dem Sustainable Develo­pment Index (SDI). Dieser Index soll als Weiter­ent­wicklung des Human Develo­pment Index (HDI) nicht nur Bewer­tungen des Einkommens, der Lebens­er­wartung und der Bildungs­jahre einfließen lassen, sondern auch den materi­ellen Fußab­druck des Landes und die Treibhausgasemissionen.

Costa Rica ist also tatsächlich auf einem sehr guten Weg so grün zu werden wie die Pflan­zen­vielfalt des Landes es vermuten lässt.

(Josefine Moritz)

 

EEG 2021 – Ü20-Anlagen Anschluss­för­derung offenbar schon wieder vom Tisch

Neues von der Dauer­bau­stelle EEG. Vor Kurzem berich­teten wir noch über eine bedeutsame Neuerung des EEG 2021 – die gesetz­liche Anschluss­för­derung für ausge­för­derte Anlagen (§ 3 Nr. 3a EEG 2021), also für Erzeu­gungs­an­lagen, die ihre 20jährige gesetz­liche Förderung hinter sich haben. Davon sind derzeit noch Anlagen mit einer insgesamt instal­lierten Leistung von rund 3,5 Gigawatt in Betrieb und wäre schade, wenn sich das aändert. Nun steht dieses Instru­men­tarium offenbar schon wieder vor dem Aus.

Hinter­grund ist die für das EEG 2021 erfor­der­liche beihil­fe­recht­liche Geneh­migung der EU. Die ist nun offenbar für den Punkt der Anschluss­för­derung der Ü20 Anlagen verweigert worden. Das BMWi arbeitet bereits fieberhaft an einer Anpassung. Zumindest eine Vermarktung des in Ü20 Anlagen erzeugten Stroms durch den Netzbe­treiber soll noch möglich sein, eventuell sogar ein Aufschlag auf den Marktwert. Ausge­för­derte Anlagen­be­treiber müssen ihren Strom also nicht umsonst abgeben, wenn sie keinen Direkt­ver­markter haben. Aber zu den geplanten Ausschrei­bungen einer Anschluss­för­derung für ausge­för­derte Anlagen wird es nicht kommen.

Mit anderen Worten – EEG 2021 – es bleibt alles anders und wir bleiben dran!

(Christian Dümke)

2021-04-26T18:41:28+02:0026. April 2021|Energiepolitik, Erneuerbare Energien, Windkraft|