Ist die deutsche Energie­wende ein Alleingang oder versuchen auch andere Staaten auf regene­rative Erzeugung umzustellen? Wir schauen dazu heute mal nach Südamerika, nach Uruguay.

Uruguay gilt heute als eines der erfolg­reichsten Beispiele für die Umstellung auf regene­rative Strom­erzeugung weltweit. Innerhalb von nur etwa 15 Jahren gelang es dem kleinen südame­ri­ka­ni­schen Staat, seine Energie­ver­sorgung nahezu vollständig auf erneu­erbare Energien umzustellen. Heute stammen rund 98 Prozent des erzeugten Stroms aus erneu­er­baren Quellen wie Windkraft, Wasser­kraft, Biomasse und Solarenergie.

Noch Anfang der 2000er-Jahre war Uruguay stark von impor­tierten fossilen Brenn­stoffen abhängig. Öl und Gas mussten teuer aus dem Ausland einge­führt werden, wodurch das Land besonders anfällig für steigende Energie­preise und inter­na­tionale Krisen war. Zudem führten Trocken­pe­rioden regel­mäßig zu Problemen bei der Strom­ver­sorgung, da die tradi­tio­nelle Wasser­kraft alleine nicht ausreichte.

Die Energie­krise von 2008 wurde schließlich zum Wende­punkt. Die Regierung entschied sich für eine langfristige Strategie zum Ausbau erneu­er­barer Energien. Ziel war es, die Energie­ver­sorgung unabhän­giger, klima­freund­licher und wirtschaftlich stabiler zu machen.

Die Energie­wende in Uruguay erfolgte außer­ge­wöhnlich schnell. Besonders stark wurde in Windkraft inves­tiert. Bereits wenige Jahre nach Beginn der Reformen entstanden zahlreiche Windparks im ganzen Land. Uruguay profi­tierte dabei von sehr guten Windbe­din­gungen und vergleichs­weise niedrigen Stromerzeugungskosten.

Heute setzt sich die regene­rative Strom­erzeugung des Landes aus mehreren Quellen zusammen:

  • etwa 46 % Wasserkraft
  • rund 34 % Windenergie
  • etwa 14 % Biomasse
  • knapp 4 % Solarenergie

Nur ein sehr kleiner Anteil stammt noch aus fossilen Energie­trägern. Wind‑, Wasser- und Solar­energie ergänzen sich zeitlich gut und sorgen dadurch für eine stabile Strom­ver­sorgung. Diese sogenannte „Komple­men­ta­rität“ gilt inter­na­tional als vorbildlich.

Ein entschei­dender Erfolgs­faktor war die langfristige Energie­po­litik der Regierung. Uruguay setzte klare gesetz­liche Rahmen­be­din­gungen und bot Inves­toren Planungs­si­cherheit. Staat­liche Ausschrei­bungen und garan­tierte Strom­ab­nah­me­ver­träge motivierten private Unter­nehmen, massiv in erneu­erbare Energien zu investieren.

Gleich­zeitig blieb das staat­liche Energie­un­ter­nehmen UTE ein zentraler Akteur beim Ausbau der Infra­struktur. Das Stromnetz wurde moder­ni­siert und Verbin­dungen zu den Nachbar­ländern Argen­tinien und Brasilien verbessert. Dadurch kann Uruguay heute überschüs­sigen Strom exportieren.

Trotz der großen Erfolge gibt es weiterhin Heraus­for­de­rungen. Der hohe Anteil wetter­ab­hän­giger Energien wie Wind- und Solar­energie erfordert moderne Strom­netze und intel­li­gente Steue­rungs­systeme. Fachleute beschäf­tigen sich intensiv mit Fragen der Netzsta­bi­lität und Energiespeicherung.Außerdem sind die Strom­preise für Verbraucher und Unter­nehmen in Uruguay teilweise noch relativ hoch. Daher arbeitet das Land weiter an Effizi­enz­stei­ge­rungen und dem Ausbau moderner Technologien.

Uruguay zeigt, dass auch kleinere Staaten eine erfolg­reiche Energie­wende umsetzen können. Besonders bemer­kenswert ist, dass der Wandel partei­über­greifend unter­stützt wurde und langfristig geplant war. Inter­na­tionale Organi­sa­tionen und viele andere Länder betrachten Uruguay deshalb heute als Vorbild für nachhaltige Energiepolitik.

(Christian Dümke)