Kleine modulare Atomreaktoren (Small Modular Reactors (SMR) ) gelten für viele als ein Hoffnungsträger einer neuen Generation der Kernenergie. Sie sollen kostengünstiger, schneller und flexibler gebaut werden können als herkömmliche Atomkraftwerke. Doch an den Finanzmärkten ist inzwischen Ernüchterung eingekehrt. Drei führende Unternehmen der Branche haben zusammen rund 30 Milliarden Euro an Börsenwert verloren.

Milliardenverluste an der Börse

Wie die Financial Times berichtet, ist der gemeinsame Börsenwert der US-Unternehmen NuScale Power, Nano Nuclear und Oklo seit seinem Höchststand im Oktober 2025 um rund 30 Milliarden Euro eingebrochen.

Während die Aktienkurse zuvor durch große Erwartungen an die neue Reaktortechnologie angetrieben wurden, wachsen inzwischen die Zweifel an deren Wirtschaftlichkeit. Investoren, die auf fallende Kurse gesetzt hatten, konnten dadurch Gewinne von rund 2,1 Milliarden US-Dollar erzielen.

Ein wesentlicher Grund für die anfängliche Euphorie war der stark steigende Strombedarf großer Rechenzentren. Insbesondere die Entwicklung künstlicher Intelligenz lässt den Energiebedarf wachsen. Kleine Atomreaktoren sollen künftig eine kontinuierliche und weitgehend CO₂-arme Stromversorgung ermöglichen.

Was sind Small Modular Reactors?

Small Modular Reactors (SMR) sind Kernreaktoren mit einer deutlich geringeren Leistung als herkömmliche Atomkraftwerke. Die Anlagen sollen möglichst standardisiert und teilweise industriell vorgefertigt werden.

Das Versprechen: Durch Serienfertigung und kürzere Bauzeiten könnten die Investitionskosten sinken. Außerdem sollen sich kleinere Reaktoren flexibler in bestehende Energieversorgungssysteme integrieren lassen.

Allerdings ist bislang nicht nachgewiesen, dass diese wirtschaftlichen Vorteile tatsächlich im großen Maßstab realisiert werden können.

Das Problem mit der Wirtschaftlichkeit

Ein wesentlicher Nachteil kleiner Reaktoren liegt in ihrer geringeren Leistung. Um dieselbe Strommenge wie ein großes Kernkraftwerk zu erzeugen, müssen mehrere kleinere Anlagen errichtet werden.

Damit entfallen zwar bestimmte Größenvorteile konventioneller Kraftwerke, die hohen Anforderungen an Sicherheit, Genehmigung und Betrieb bleiben jedoch bestehen.Hinzu kommt, dass viele SMR-Konzepte noch weit von einer kommerziellen Serienproduktion entfernt sind. Die Entwicklung erfordert erhebliche Investitionen, während nennenswerte Einnahmen häufig erst in vielen Jahren erwartet werden.

Wie schwierig die wirtschaftliche Umsetzung sein kann, zeigt das US-Unternehmen NuScale. Ein geplantes Reaktorprojekt im Bundesstaat Idaho wurde bereits 2023 aufgegeben, nachdem die erwarteten Kosten erheblich gestiegen waren.

Auch in Europa wird auf kleine Reaktoren gesetzt

Auch in Europa wird teilweise auf SMR gesetzt. Die Europäische Kommission hat im März 2026 eine eigene Strategie zur Entwicklung und Einführung kleiner modularer Reaktoren vorgestellt. Sie sieht darin unter anderem eine Möglichkeit, künftig klimaarmen Strom und Wärme für Industrieunternehmen bereitzustellen.

Deutschland verfolgt dagegen weiterhin den Ausstieg aus der Kernenergie. Ein Neubau von Atomkraftwerken ist nach geltendem Atomrecht nicht zulässig.

Das Fazit

Der Einbruch der Aktienkurse bedeutet nicht zwangsläufig das Scheitern der SMR-Technologie. Er zeigt jedoch, dass die wirtschaftlichen Erwartungen an kleine Atomreaktoren bislang erheblich größer sind als die nachgewiesenen Erfolge. Ob sich die versprochenen Kostenvorteile durch industrielle Serienfertigung tatsächlich realisieren lassen, bleibt offen. Entscheidend wird letztlich nicht sein, ob kleine Atomreaktoren technisch funktionieren, sondern ob sie Strom zu wettbewerbsfähigen Preisen erzeugen können. Gerade daran bestehen derzeit erhebliche Zweifel.

(Christian Dümke)